• Abgeordnetengespräch mit Lothar Riebsamen: Friseure fordern schnelle Öffnung

Kreishandwerkerschaft Bodenseekreis

16. April 2019

Abgeordnetengespräch mit Lothar Riebsamen: Friseure fordern schnelle Öffnung

Das Foto zeigt von links nach rechts: Günter Gebauer (stellv. Kreishandwerksmeister), Evi Beller (Vorstandsmitglied), Christof Binzler (Kreishandwerksmeister), Martina Otto (stellv. Obermeisterin), Lothar Riebsamen MdB (CDU)

(Bodenseekreis) „Die Lage wird ernst für unser Friseurhandwerk“, das gaben Martina Otto, stellvertretende Obermeisterin und Evi Beller, Vorstandsmitglied der Friseurinnung Bodenseekreis am vergangenen Donnerstag dem Bundestagsabgeordneten Lothar Riebsamen (CDU) mit auf dem Weg. Zum Gespräch hatte der stellvertretende Kreishandwerksmeister Günter Gebauer in die Kreishandwerkerschaft eingeladen, weil „die Friseure bei uns Handwerkern mit am meisten betroffen sind und am meisten leiden und wir dringend etwas für diese Branche tun müssen“. Kurzfristig war auch Kreishandwerksmeister Christof Binzler zum Termin gekommen, um die Dringlichkeit des Anliegens zu unterstreichen. Der Frust war den beiden Friseurmeisterinnen bei dem Gespräch deutlich anzumerken. „Wir haben beim ersten Lockdown in unseren Innungsfachbetrieben die Hygienevorgaben zu 100 % erfüllt, bei Aldi an der Kassenschlange ist die Ansteckungsgefahr erheblich größer als in unseren Salons“, ärgerte sich Martina Otto. Die von der Bundesregierung beschlossenen Hilfen kommen bei den Friseurbetrieben kaum an bzw. decken in der Regel nicht einmal die Fixkosten. „Für den Inhaber bleibt praktisch nichts“. Prekär ist auch, dass die Auszubildenden weiterhin im Betrieb sind und unterwiesen werden, ohne dass die Betriebe dafür einen Ausgleich bekommen. Erschwerend kommt noch hinzu, dass derzeit kein Präsenzunterricht an den gewerblichen Schulen stattfindet. „Wir wollen natürlich, dass die Auszubildenden die Prüfungen schaffen, denn wir brauchen ja dringend Fachkräfte“, ergänzte Evi Beller. Die Forderungen der Branche an die Politik waren dann auch, die Hilfsmaßnahmen an kleinere Betriebe und Solo-Selbständige anzupassen, die Ausbildung, synonym dem Kurzarbeitergeld, zu unterstützen, aber ganz besonders die Friseursalons baldmöglichst wieder zu öffnen. Dies machte die Friseurinnung inzwischen auch in einem Brief an die Baden-Württembergische Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister Kraut und die Wahlkreisabgeordneten deutlich. 

Lothar Riebsamen war vorgewarnt, hatte ihn doch sein eigener Friseur, Ralf Heiberger aus Herdwangen-Schönach, in den vergangenen Tage angeschrieben und auf seine prekäre Lage aufmerksam gemacht. Entsprechend zeigte er Verständnis für die Situation der Friseurbetriebe, machte aber auch aus der Schwierigkeit der aktuellen Situation keinen Hehl. Insbesondere die Unsicherheit durch die aufgetauchten Mutationen bereiten ihm Sorge, weil dadurch die Entwicklung in den nächsten Wochen kaum eingeschätzt werden könne. Er sagte zu,  die Unterstützungsprogramme nochmals zu beleuchten und darauf hinzuwirken, diese nachzuschärfen. Auch das Thema Unterstützung von Ausbildungsbetrieben leuchtete ihm ein. Bezüglich einer baldigen Öffnung deutete er an, dass dies vor dem 15.02. kaum vorstellbar sei. Wenn sich die Zahlen jedoch weiter wie derzeit entwickeln, seien die Friseure bestimmt bei den ersten Einrichtungen, die wieder geöffnet werden. 

Welche Auswirkungen die geschlossenen Friseurbetriebe auf die Bevölkerung und die Kunden haben, machten die beiden Friseurmeisterinnen zum Abschluss des Gespräches deutlich. „Wir bekommen derzeit die abenteuerlichsten Anrufe, wie etwa: einmal Haare schneiden für fünfmal Schnee schippen, oder: „Ich lad‘ dich gerne mal zu Kaffee und Kuchen ein – alleine darfst du ja kommen“. „Wir Innungsfachbetriebe wenden uns klar und entschieden gegen diese Form der Schwarzarbeit. Wir haben in unseren Salons hervorragende Hygienekonzepte. Die Ansteckungsgefahr beim Haare schneiden im privaten Umfeld, zumeist ohne die erforderlichen Schutzmaßnahmen ist für Friseur, Kunde und Gesellschaft  viel zu hoch und  damit kontraproduktiv. Unsere Innung wird deshalb auch eine Initiative gegen diese Entwicklung starten“, betonten Martina Otto und Evi Beller.